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Hier finden Sie eine kleine inhaltliche Übersicht und eine Ressourcensammlung zu Antifeminismus, organisierter Frauenfeindlichkeit und Extremismus.

Antifeminismus, organisierte Frauenfeindlichkeit und antifeministische Vorfälle

Antifeminismus wendet sich – teils als organisierte Bewegung – gegen Geschlechtergerechtigkeit und feministische Anliegen.

Antifeminismus richtet sich in Wort und Tat vor allem gegen Frauen und LGBTIQA+ sowie gegen Einrichtungen und Organisationen, die sich für Gleichstellung der Geschlechter, gegen Sexismus oder für die Stärkung geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung einsetzen.

Antifeminismus kann sowohl gegen Feminismus als kollektive Bewegung gerichtet sein als auch gegen Frauen- und Gleichstellungsarbeit, gegen die Arbeit von Beratungsstellen, gegen Geschlechterforschung, gegen queere Menschen und Einrichtungen oder feministische Einzelpersonen, vor allem, wenn diese in der Öffentlichkeit stehen.

Als Weltbild ist Antifeminismus wesentlicher Bestandteil extrem rechter, rechtspopulistischer und religiös fundamentalistischer Ideologien. Feministische Themen, wie Frauenrechte und Gewaltschutz, werden von antifeministischen Akteur*innen besetzt, um menschenfeindliche Positionen zu vermitteln.

Antifeminismus ist ideologisch eng verknüpft mit weiteren Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, wie Rassismen, Antisemitismus, Ableismus, Klassismus, Lookismus oder Sexarbeiter*innen-Feindlichkeit. Antifeministische Vorfälle können jede*n treffen und treten zum Beispiel in folgenden Formen auf:

  • Hassnachrichten im Netz gegen Politiker*innen, Gleichstellungsbeauftragte, Frauenberatungsstellen oder feministisch Engagierte
  • Drohbriefe, -emails und -anrufe an Mitarbeitende von Organisationen, die zu Themen geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung arbeiten
  • Politisch motivierte verbale und körperliche Übergriffe im öffentlichen Raum aus antifeministischen Motiven (inklusive Bezügen zu weiteren Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wie Rassismus, Antisemitismus etc.)
  • Mobilisierung gegen vermeintliche „Gender-Ideologie“
  • Antifeministisch motivierte Sachbeschädigung, z.B. von queerer Symbolik oder feministischen Einrichtungen

Unterschiede und Zusammenhänge zwischen Antifeminismus, Sexismus, Misogynie und geschlechtsspezifischer Gewalt

Geschlechtsspezifische Gewalt und Antifeminismus prägen sich gegenseitig: Nicht nur geschlechtsspezifische Gewalt basiert auf Misogynie, Sexismus und der strukturellen Fortschreibung von Ungleichheit und befördert diese weiter – dies sind auch die Grundlagen von Antifeminismus. Antifeministische Diskurse und Mobilisierung bieten wiederum Anlass und Motivation für geschlechtsspezifische Gewalt – sie legitimieren und propagieren teilweise explizit geschlechtsspezifische Gewalt. So werden immer häufiger Gewaltschutz- und Fachverbände sowie Betroffene diffamiert und im Rahmen von digitalen Hass- oder Desinformationskampagnen angegriffen.

Antifeminismus hat damit nicht nur die Funktion, Gewalt gegen Frauen und gewaltvolle Männlichkeitsbilder zu legitimieren, sondern diese auch als Hand-
lungsoptionen für den Einzelnen sowie für politische Bewegungen zu rechtfertigen und einzufordern. Dementsprechend kann geschlechtsspezifische Gewalt ein Instrument antifeministischer Angriffe darstellen geschlechtsspezifische Gewalt ist zugleich aber auch ein inhärenter Bestandteil antifeministischer Strategien und Deutungsangebote.

Schaubild aus „Zivilgesellschaftliches Lagebild 2025“, Abbildung 2: Verhältnis von Antifeminismus und geschlechtsspez. Gewalt, Ans Hartmann/Palo Quirion, S.22.

Antifeminismus

Antifeminismus manifestiert sich als organisiertes Vorgehen und politische Strategie. Er repräsentiert eine Weltanschauung oder Ideologie, die sich gegen Gleichstellung, körperliche, reproduktive und geschlechtliche Selbstbestimmung sowie feministische Errungenschaften richtet. Antifeminismus baut auf Sexismus, Misogynie und LSBTIQA+-Feindlichkeit auf und ist eng verknüpft mit weiteren Abwertungsideologien wie Rassismus, Antisemitismus und Behindertenfeindlichkeit.

Als Ideologie und Bewegung ist Antifeminismus dynamisch und passt sich zeitgenössischen Kontexten an – als Reaktion auf spezifische Auseinandersetzungen rund um geschlechtergerechtigkeit, Vielfalt an geschlechtlichen, sexuellen und familiären Lebensentwürfen, feministischen Gewaltschutz und Bildungsarbeit in diesen Bereichen. Dies schließt die Ablehnung von Frauen- und Geschlechterforschung und der Gleichberechtigung von LSBTQIA+-Personen mit ein und äußert sich grundsätzlich auch in Angriffen gegen Organisationen, Institutionen und
Personen, die sich für diese Themen und Emanzipationsbestrebungen einsetzen oder damit assoziiert werden.

Sexismus

Sexismus ist die Benachteiligung oder Abwertung von Menschen aufgrund ihres (zugeschriebenen) Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung. Er zeigt sich in vielen Bereichen des Alltags – zum Beispiel am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Schule oder im öffentlichen Raum.

Sexismus beruht auf festen Vorstellungen darüber, wie Frauen, Männer oder nicht-binäre Menschen sein und sich verhalten sollen. Diese Rollenbilder führen dazu, dass Männer oft mehr Macht und Vorteile haben, während Frauen und nicht-binäre Menschen häufiger benachteiligt werden. Aber auch Männer können von Sexismus betroffen sein, wenn sie nicht den traditionellen Erwartungen an Männlichkeit entsprechen.

Misogynie

Misogynie, oder Frauenfeindlichkeit, spezifiziert die feindselige Diskriminierung, die sich direkt gegen Frauen und weiblich gelesene Personen richtet. Dieser Begriff, der tief in den feministischen Kämpfen verwurzelt ist, benennt die systematische Abwertung von Weiblichkeit und allem, was traditionell als weiblich betrachtet wird. Misogynie überschreitet dabei oft die Grenzen einfacher Vorurteile und mündet in offene Feindseligkeit.

Die Tötung von Frauen wegen ihres Geschlechts oder wegen bestimmter Vorstellungen von Weiblichkeit, bekannt als Femi(ni)zide, verdeutlicht die extreme Gewalt, die aus misogynen Einstellungen resultieren kann.

(1) Antifeministisch motivierte physische Gewalt

sind körperliche Angriffe, in denen die Betroffenen keine bis schwerwiegende körperliche Folgen davontragen oder sogar ihr Leben verlieren. Darunter sind auch versuchte Angriffe subsumiert.

(2) Antifeministisch motivierte Bedrohung

sind häufig Teil breiterer Gefährdungslagen und Dynamiken im Rahmen eines antifeministischen Vorfalls. Bedrohungen, die einen Straftatsbestand erfüllen, liegen dann vor, wenn jemand vorsätzlich mit einer rechtswidrigen Straftat bedroht wird (vgl. § 241 StGB). Nicht alle Fälle, die in diese Dimension eingeordnet werden, erfüllen den Straftatbestand des § 241 StGB. Erfasst und abgebildet werden auch Fälle, die Bedrohungsdynamiken oder ein Klima der Angst und Verunsicherung erzeugen können – und sollen.

(3) Antifeministische Diskriminierung

ist eine ungerechtfertigte individuelle oder institutionelle Ungleichbehandlung und Benachteiligung, die sich gegen Frauen und Menschen aus der  LSBTQIA+-Community richtet, und auf diskriminierenden Wertvorstellungen oder (unreflektierten) sexistischen Einstellungen basiert. In Erweiterung zu strukturellem und institutionellen Sexismus sind hier vor allem Fälle beschrieben, in denen die Betroffenen durch organisierte, teils kampagnenartige und öffentliche Diffamierungen Diskriminierung erleben

(4) Antifeministisch motivierter Sachbeschädigung

ist die vorsätzliche Beschädigung oder Zerstörung einer im Allgemeinen fremden Sache gemeint, wenn die Sache bzw. der Gegenstand symbolisch für Frauen(rechte) und/oder geschlechtliche Vielfalt steht, oder wenn die Umstände der Tat oder Aussagen der Angreifenden Anhaltspunkte für eine antifeministische Motivation geben.

(5) Antifeministische Beleidigung, Hate Speech und Agitation


Darunter wird die Verächtlichmachung und Herabwürdigung Anderer verstanden, wenn dies nicht bedrohend geschieht (Dimension 2) oder mit Benachteiligungen einhergeht (Dimension 3). Beleidigungen, Beschimpfungen und Verleumdungen können nach § 185 ff. StGB eine Straftat darstellen. Beleidigen bedeutet jemanden mit Worten persönlich zu verletzen, und Beschimpfungen erfolgen durch die Verwendung von Schimpfwörtern.
Unter antifeministischer Agitation wird vor allem die öffentliche Beleidigung oder Beschimpfung einer Person oder Gruppe verstanden, beispielsweise im digitalen Raum.

(6) Die Strukturelle Dimension des Antifeminismus


Diese strukturelle Dimension antifeministisch motivierter Angriffe beinhaltet Angriffe auf demokratische Institutionen und Rahmenbedingungen, die der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit und dem Abbau von Diskriminierung dienen. Dazu zählen etwa Gleichstellungsbüros in Städten, Kommunen und Bildungseinrichtungen sowie politische und gesetzliche Maßnahmen, wie sie in der Istanbul-Konvention verankert sind, aber
auch das Selbstbestimmungsgesetz oder Regelungen zur geschlechtergerechten Sprache in politischen Institutionen. Außerdem werden Personen in politischen Ämtern wie zum Beispiel Gleichstellungsbeauftragte, Politiker*innen oder Bürgermeister*innen, vor allem Frauen und queere Personen, persönlich zum Angriffsziel. Diese
Vorfallsdimension verdeutlicht, dass mit solchen Angriffen auch auf die Schwächung oder gänzliche Abschaffung gleichstellungspolitischer Strukturen in demokratischen Prozessen und Institutionen abgezielt wird.
Unter antifeministischer Agitation wird vor allem die öffentliche Beleidigung oder Beschimpfung einer Person oder Gruppe verstanden, beispielsweise im digitalen Raum.


*Foto von Marek Studzinski auf Unsplash